Aug 252013
 

Zum Auftakt der Sommer-Edition ein paar Exkurse zum Thema wie man in der täglichen Arbeit noch besser werden kann – danach wie gewohnt ein paar App-Empfehlungen:

# Exzellenz in der Medizin

Scott Weingart von EMCRIT veröffentlichte diesen großartigen Vortrag The Path to Insanity, wo er darüber spricht, wie man als Arzt/Ärztin Exzellenz erzielt – ein sehr empfehlenswerter 30 Minuten englischsprachiger Vortrag am Ende des Artikels.

Er empfiehlt darin u.a. das Buch Schnelles Denken, langsames Denken” vom Wirtschafts-Nobelpreisträger Daniel Kahnemann, das ich zur Zeit auch lese; die Frage was unser alltägliches Denken bestimmt und seine Fallstricke ist ja ein Thema, welches auch Mediziner konkret betrifft, wenn es zum Beispiel um diagnostisches Denken, Intuition vs. Wissen/Erfahrung oder auch Fehlentscheidungen etc. geht. Ein phantastisches Buch, das ganz sicher das eigene Denken positiv verändern wird.

In diese Richtung zielt auch ein lesenswerter Artikel aus diesem Jahr im New England Journal of Medicine, “From Mindless to Mindful Practice – Cognitive Bias and Clinical Decision Making” (Abonnement nötig!, z.B. über Uni-Login).

[Ähnlich großartig dieser Vortrag hier von Cliff Reid, einem britischen Emergency Physician, der auf Resus.me schreibt.]

# Apps

Medikamente

wow, heute mal zum Auftakt auch deutschsprachige Angebote:

+ Kennt Ihr Embryotox – Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit ? Eine super Website um eben hierfür Antworten zu bekommen, hat mir schon oft geholfen in der Arbeit. Die Infos gibt es nun auch als kostenfreie App für Android, für iOS ist sie noch in Arbeit.

+ NETDOSIS ist eine Seite, wo man “qualitätsgesicherte Behandlungsempfehlungen für die Medikation von Kindern” findet. Auch in einer mobilen Version erhältlich.

+ SafeDose ist ebenso eine Hilfe, um Dosis-Fehler bei Erwachsenen zu vermeiden. Bislang noch gratis. Für iOS & Android.

Vergiftungen

+ Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gibt kostenfrei eine App “Vergiftungsunfälle bei Kindern” heraus; sie will und kann nicht immer den Anruf bei einer Giftnotzentrale ersetzen, gibt aber stets sehr hilfreiche und wichtige Informationen, für Laien und für Mediziner. In einer Android-Version und einer iOS-Version erhältlich. Sehr schön & professionell erstellt.

+ Für Erwachsene sehr nützlich finde ich die Gratis-App für iOS “Emergency Toxicology“, leider englisch; sehr übersichtlich; hat mir als Notarzt auch schon gute Dienste geleistet – nochmal, im Zweifel muss die Vergiftungszentrale kontaktiert werden.

Radiologie

+ Im Deutschen Ärzteblatt fand sich unlängst ein ausführlicher Beitrag “Röntgen-Apps: Einsatz in der Grauzone“, dem ich jedem ans Herz legen darf, der sich dafür interessiert, Röntgen-Bilder, CTs, MRTs etc. auf mobilen Geräten anzusehen und zu interpretieren.

Weiterbildung

- “Die FoBi@PP ermöglicht es den Ärzten, alle wichtigen Informationen zu zertifizierten Fortbildungsveranstaltungen im Smartphone abzurufen” – check it out (Beschreibung im Ärzteblatt)! Und hier die Link für iOS. Die Android-Version ist in Entwicklung.

- Die “Nationalen Versorgungsleitlinien (NVL)” gibt es ab sofort auch in einer iOS-Version gratis; leider am Anfang erst 3 Stück.

Gebärdensprache

Die Gratis-App “iSignIT” hilft bei der Kommunikation zw. Gehörlosen und medizinischen Personal. hier Artikel im Ärzteblatt, hier die Link für iOS.

Sonstiges

- “Wie zuverlässig sind medizinische Apps von Smartphones” fragt und beantwortet ein Jurist auf der Jahrestagung 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesie und Intensivmedizin – eine wichtige Frage bei der Nutzung von Apps in der Medizin.

<<<  >>>

Das war die Sommer-Edition, nicht viel, aber immerhin – wem die Seite gefällt, der darf sie gerne weiterempfehlen bei Facebook, Twitter, WhatsApp etc.  App-Empfehlungen können auch gerne in den Kommentaren gepostet werden.

Bis bald, schönen Sommer noch, Wolfgang Offenberger

 

 

Ein Fall aus dem wahren Leben: ein Patient mit einem blutenden Ulcus duodeni spricht nur eine osteuropäische Sprache, deren ich nicht mächtig bin. Er möchte gerne wissen, was ihm fehlt und warum er jetzt nur noch Suppe bekommt.

Ein App auf dem iPhone kann da eine große Hilfe sein: “Google Übersetzer“, kostenlos, übersetzt in mehr als 60 Sprachen und zurück, kann manche Sprachübersetzungen sogar selbst vorlesen, kann akustische Eingaben automatisch einer Sprache zuordnen und dann in die gewünschte Sprache übersetzen, zeigt das Ergebnis in großen Buchstaben an, so dass der Empfänger sie auch lesen kann etc. Klasse Sache meinde ich und werde es jetzt öfters ausprobieren auf der Arbeit. Das Programm gibt es auch für Android-Smarthpones. Die Kollegen beim British Medial Journal finden es auch gut: BMJ 2011;343:bmj.d7217. Aber cave: mein Praxistest “morgen müssen wir einen Herzkathether durchführen” auf Türkisch wurde wohl solchermassen übersetzt: “morgen müssen wir ein neues Herz einbauen”.

::::

Sehr hilfreich & elegante Hilfe leistet das kostenfreie Programm “KM Helper” vom Radiologischen Institut Erlangen, das Schritt für Schritt Risikofaktoren für Kontrastmittel-induzierte Nieren- und Schilddrüsentoxizität abfragt und Präventions-Vorschläge unterbreitet.

::::

Eine weitere Software zu Labormedizin ist erschienen, “Labmed” von einem Labor in Dortmund. Sehr umfangreich, sehr hilfreich und informativ.  Kostenfrei für iPhone/iPad/iPod Touch. Mit Merkliste, Verlauf und regelmäßigen Updates ein schönes, schnell verfügbares Labor-Nachschlagewerk zu Normwerten, Indikationen und Analyseproblemen etc. Link für Android hier.

::::

Zuguterletzt noch eine Link zu einem empfehlenswerten, aktuellen Artikel aus dem Magazin “PRAXiS – Computer & Management” aus dem Verlag des Deutschen Ärzteblattes zum Thema “Smartphones und Tablet-PCs im Gesundheitswesen – Strategien für mobile Anwendungen“.

—-

Das war es für heute. Wer etwas Gutes beizutragen hat an Medizinischer Software für Smartphones, rationalen Einsatz von Smartphones in der klinischen Praxis oder sonst wie hier beitragen möchte, ist herzlich eingeladen.

Gruss aus Würzburg,

Wolfgang

 

Hallo an alle PDA-Medicus-Freunde & -Interessierte!

Nachdem ich es satt hatte, mit einem Palm TX, einem Handy und noch als 3. Gadget zu Hause mit einem iPod Touch zu hantieren, habe ich jetzt kurzerhand ein iPhone 4 angeschafft. Das Ding ist eher obere Preisliga, aber es ist doch ein deutlicher Mehrwert für mich.

Den Such-Statistiken, welchen ich entnehmen kann, nach welchen Stichworten die Leute per Suchmaschine auf meine Webseite gelangen, darf ich entnehmen, dass das iPhone oder andere iOS-Geräte wie iPod Touch und iPad doch am meisten Interesse bei den Medizinern zu erwecken scheinen; Android-Geräte kommen weit später, BlackBerry oder Palm oder Windows Phone 7 deutlich abgeschlagen.

In der Klinik habe ich das iPhone jetzt häufig in der Tasche. Fast alle Applikationen, die ich auf meinem Palm TX nutzen konnte, gibt es auch für das iPhone. Der Internet-Zugang über Handy-Funktion oder WLAN (zwar noch nicht in der Klinik) ist ein deutlicher Mehrwert für mich. Mal eben die UICC-Stadien-Einteilung des Colorektalen Karzinoms bei Google suchen? Die Kamera-Funktion läßt mich Dienstpläne mal eben abfotographieren und per Email an Frau oder Freunde zur Termin-Absprache schicken.

Wen es interessiert, dem darf ich heute darlegen, was für Apps ich nutze – medizinisch wie nicht-medizinisch.

Medizinisch (ich verweise auch auf meine anderen Artikel zum Thema iPhone für Mediziner & Co., insbesondere dieser hier):

+ Medikamente:

- Arzneimittel iPocket (auf dieser Seite auch alle anderen iBooks vom Börm-Brockmeier-Verlag). etwa 5€ für die 2010 Version.

- ePocrates: super für Interaktionen. Basis-Version gratis.

- Micromedex Drug Information: das nutze ich neuerdings gelegentlich, um tiefgehende Informationen über Medikamente zu erhalten. Es ist wirklich sehr informativ & gratis.

+ Differential-Diagnosen:

- Diagnosaurus vom McGraw-Hill-Verlag. hatte ich auf dem Palm schon, mag ich immer noch sehr gerne.

- Differential Diagnosis von der British Medical Journal (BMJ) Publishing Group: Deutlich mehr in die Tiefe gehend als Diagnosaurus, mit Bildern & viel Text.

+ Medizinische Rechner:

- MedCalc [auch auf deutsch, Basis-Version gratis zudem eine Pro-Version erhältlich],

- Mediquations [sehr viele Formeln, ca. 4€],

- Dr´s Toolbag [BMJ Publishing Group, sehr viele Algorithmen & "Clinical Prediction Rules" zur Diagnosefindung, sogenannte "Evidence based medicine"],

- Qx Calculate: auch sehr viele Formeln in ansprechender Optik, möglicherweise als gute Ergänzung zu den o.g. Rechnern.

+ Referenz:

- Medscape: Wahnsinns-App! Gratis, sehr ausführlich. Leider nur auf Englisch. Die meisten Medizin-Fächer sind gelistet, auch chirurgische Fächer, die sonst ja oft zu kurz kommen. auch ein Medikamenten-Interaktions-Rechner. Prozeduren wie schnelle Inbutation (RSI) oder Leberbiopsie etc. werden erläutert. Mit Abstand eines der besten Programme, was man für umsonst auf das iPhone ziehen kann!

- iSilo: nach wie vor empfehle ich diesen günstigen Reader, weil aus der alten Palm-Zeit noch viele iSilo-fähige Dokumente im Web zu finden sind. Ein Beispiel ist “The Clinical Medicine Consult“, was ich auf meinem Palm sehr viel genutzt habe, mit dem iPhone aber zunehmend weniger nun. Man kann ja auch selber iSilo-Dokumente aus Webseiten generieren, wie das geht, habe ich hier beschriebenHier eine Anleitung, wie man iSilo-Dokumente auch auf das iPhone ziehen kann.

- Den “Herold – Innere Medizin” gibt es auch. Ich habe mir das nicht gekauft. Für so viel Geld hole ich mir lieber gleich die gedruckte Version & kann darin noch rumschmieren. Die iPhone-Version entspricht nämlich 1:1 dem Buch.

- Ich erwähne hier mal einen PDF-Reader, den mir ein Freund sehr empfohlen hat: GoodReader, kostet 2,99 €. kann auch große PDF sehr schnell öffnen, man kann Bearbeitungen vornehmen etc. Kann wohl auch MS Office-Dokumente öffnen und verwalten (z.B. Dienstplan als Excel-Datei). Ich bin sehr zufrieden damit. Beispiel: habe ein PDF von der letzten Fortbildung Intensivmedizin draufgezogen (über DropBox ohne Probleme mit PC synchronisiert), welche ich gleich heute im Dienst auf Intensivstation so anschauen konnte.

Weitere:

Hier bei iMedicalApps.com klicken für eine Übersicht für empfehlenswerte PubMed-Apps.

- Eponyms für Eigennamen, LabGear für Laborwerte und entsprechende differentialdiagnostische Erwägungen, “NEJM This Week” für kostenfreien Zugang auf ausgewählte Artikel und Bilder des New England Journal of Medicine, zudem “NEJM Image Challenge” als Bilder-Rätsel ganz nett für 2,50€.

KBV-Arztsuche, Radiology 2.0 (“one night in the ED”, Patientenfälle & CT-Bilder, zum Stöbern & Lernen, gratis).

Als Notarzt nützlich, sollte es jemals so schlimm kommen: “UN Nummer” und “Gefahrgut“, falls mal doch ein LKW mit Gefahrgut umkippt und ich vor der Feuerwehr am Unfallort wissen will, womit man es lieber nicht zu tun bekommen möchte.

ICD-Auskunft der TKK: Sehr nützlich & gratis, um auf die schnelle den korrekten ICD-Code zu finden, wenn man als Arzt z.B. auf Ambulanz-Karten selbst die Kodierei erledigen muss (ärztliche Kerntätigkeit).

+ Chirurgisches:

[vgl. auch diesen Artikel]

- für Chirurgen und Notfallmediziner interessant: die Seite “Traumatologie für den Handheld“, wie o.g. entweder z.B. für iSilo konvertieren und auf das iPhone laden oder direkt online lesen. Vom gleichen Autor auch “Die Lunge – Handheld!“, für Radiologen sicher von Mehrwert. ähnlich: OrthoRad für 4€ vom Radiologischen Insitutut Erlangen.

- MedScape, siehe oben, weil es gar so viel Chirurgisches beschreibt.

- AO Surgery & Müller AO Klassifikation – AO-Klassifikation der Frakturen & deren Behandlung.

- als Anatomie-App hat mir ein befreundeter Chirurg empfohlen: “Prometheus – Lernkarten der Anatomie“, wie der Atlas aus dem Hause Thieme.

Nicht-Medizinisch:

- Dropbox: auf meinem iPhone sowie auf dem PC installiert, kann ich hier einfach & kostenlos bis zu einer bestimmten GB-Menge Daten synchronisieren, z.B. PDF-Dateien, Word-Dokumente, Bilder etc. Auch ein Internet-Zugang erlaubt mir, diese Daten überall zu öffnen wenn nötig. Gratis in der Basisversion.

- Pulse News Reader: ein kostenfreier, optisch ansprechender RSS-Reader – beschleunigt das Lesen von RSS-fähigen Seiten wie meinem Liebslings-Blogs Liferhacker.com, KevinMD.com oder PalmDoc.net . Hier bei Lifehacker.com mehr über Pulse.

- DB Navigator: Als regelmäßiger Zug-Pendler ist das App der Deutschen Bahn wirklich toll: kommt der Zug pünktlich? wann geht der nächste Zug? Gratis.

- Evernote: was ich schmerzlich am Palm TX vermisse, ist dessen Memo-Anwendung. Einfach, schnell und ohne “Cloud” [guter Artikel über Chancen und Risiken von Cloud-Computing hier bei der Zeit], also reine Offline-Anwendung. Bislang ist mir nichts über den Weg gelaufen, was dieser Memo-Anwendung nahe kommt. So muss ich mich mit Alternativen begnügen. Eine davon heißt Evernote und ist in einer Basis-Version kostenfrei, für mehr gibt es günstige Angebote ab wenige Euro pro Monat. Evernote hat eine Webseite, eine iPhone-App und eine Mac- oder Windows-Anwendung. Über diese Schnittstellen kann man seine Memos verwalten & synchronisieren (leider über “Cloud”). Evernote bietet aber auch die Möglichkeit, Bilder, PDF-Dateien oder Sprach-Memos zu verwalten. wie praktisch das sein kann hier als Beispiel: der neue Dienstplan in der Klinik ist raus, aber grad nicht als Excel-Datei etc. verfügbar. -> iPhone nehmen, in Evernote über die iPhone-Kamera einen “Schnappschuß” erstellen, und nach ein bischen Editieren ist der Dienstplan in Evernote verfügbar. Man kann ihn auch gleich weitermailen. Evernote kann sogar Text aus eingescannten Bildern auslesen und in die globale Suche integrieren, fast schon unheimlich. Ein anderes Beispiel für Uploads sind z.B. sinnvolle Algorithmen aus Büchern, die man gerne mal zur Hand hätte. Die PDF-Datei vom letzten Weiterbildungs-Kurs “Intensivmedizin”. etc…Phantasie kennt keine Grenzen. Was ich nur problematisch finde: ich weiß nicht, wie gut Evernote auch in andere Formate exportierbar ist. Das heißt, dass man schnell von diesem Programm abhängig werden könnte. Dennoch habe ich heute meine 2500 Palm-Memos in Evernote importiert, diese Webseite half mir dabei, und es läuft problemlos.

- Simplenote: als Alternative zu Evernote kann Simplenote zwar nur Texte verarbeiten, und ich finde es läuft etwas instabil bei meinen ca. 2500 Palm-Memos, welche ich über das Programm Resoph Notes in Simplenote importieren [hier Anleitung, wie´s geht] konnte. Basis-Version gratis, Premium für wenig Geld. Dennoch möglicherweise für wenige Memos sehr sinnvoll und nicht so überfrachtet wie Evernote.

- weitere: LEO als schnelle Übersetzungshilfe, Telefonbuch, Deutschland-Radio für Programm, WikiPanion als Wikipedia-Lesegerät etc… Ihr wisst ja, dass der App-Store mittlerweile eine Hülle und Fülle von mehr oder weniger guten Programmen bietet.

So, das war jetzt aber viel für heute.

Welche Programme erscheinen den iPhone-Nutzern unter Euch sinnvoll? Was fehlt hier? Welche Tips habt Ihr parat? Ich freue mich auf Anregungen in den Kommentaren!

Gruß aus Würzburg, Wolfgang Offenberger